Zeitjung Online Zeitung

Märchenhafte Bilder von Laura Zalenga

Once Upon A Picture

20.06.2014

Von einer, die auszog, die Märchen neu zu schreiben. Eine surreale Fotoserie.

Von Sophia Rossmann

Es wird gerade hell. Ziellos stiefelt sie los, in ihrem roten Mantel, ihrem Markenzeichen, das sie auf einem Flohmarkt in Holland erstanden hat. Immer wieder treibt es die Fotografin Laura Zalenga raus in die Wälder und verwunschenen Orte des Münchner Umlands. Dort lässt sie sich von der Natur inspirieren, erspäht plötzlich eine Felsformation – eine Geschichte schießt ihr durch den Kopf. Sie hält an, lässt alles liegen, packt ihre D600 aus und los geht's. Laura ist in ihrem Element.

Schon ihr Vater hat viel fotografiert. Als Kind schlich sie oft auf den Dachboden und wühlte sich durch seine Porträts, damals alles analog. „Das hat sich im Unterbewusstsein festgegraben. Wie kann man so schöne Bilder machen?“, sinniert sie rückblickend. Heute studiert die 24-Jährige an der TU München Architektur und arbeitet nebenbei als Fotografin. Ihre Lieblingsthemen: Märchen, Melancholie und Mädchen.

Don't look at me - just feel my soul

Laura will ihre Arbeit nicht mit Worten erklären, ihre Fotos sprechen schon so Märchenbände. Sie transportieren intensive Emotionen – Sehnsucht, raue Traurigkeit. Woher das kommt? „Gerade, wenn ich traurig bin, nehm ich meine Kamera, packe ein paar Sachen zusammen und geh in den Wald“, erklärt Laura. Dann versucht sie die Geschichte zu erzählen, von ihr, von Verletzlichkeit und Menschlichkeit. Eine Art Selbsttherapie? Irgendwie schon, deshalb ist ein häufiges Motiv auch sie selbst. „Vielleicht ist das auch eine Kombination aus Verarbeitung und Flucht.“, reflektiert sie uns gegenüber, „Die Person auf meinen Bildern, das bin nicht wirklich ich. Das ist für mich eine Schauspielerin. Das ist für mich nicht Laura auf dem Bild, sondern ein Mädchen, dass eine Geschichte erzählt.“

Photoshop macht Märchen möglich

Mit ihrem Zauberstab aka „Photoshop“ verwandelt Laura ihre Fotos in surreale Kompositionen. Dabei kann es vorkommen, dass sich einem mehr Gliedmaßen aus einem Foto entgegenstrecken als man im Biologieunterricht kennengelernt hat. Drachen werden aus der Mythologie ins Hier und Jetzt katapultiert. „Ich liebe Manipulation. Ich find es toll, dass man die Möglichkeit hat, etwas zu schaffen, was sonst nur im Kopf möglich ist. Dass man sich damit seine Welt zaubern kann“, erzählt Laura begeistert. So schafft sie es auch, ihr geliebtes Grimm-Märchenbuch fotografisch ganz neu umzusetzen. Was sie an den Märchen so fasziniert? „Es sind diese einfachen Geschichten, die so eine zeitlose Moral haben.“

Bildquelle: Laura Zalenga